Das trübe Wasserglas

Oft vergleichen die Weisen des Ostens Meditation mit einem Glas schlammigem Wasser, das gerade aus einem Tümpel geschöpft wurde. Was geschieht, wenn man das Glas auf einen Tisch stellt?

Der Schlamm sinkt nach unten, setzt sich auf dem Boden ab, und darüber kommt das klare Wasser zum Vorschein. Genau dasselbe geschieht, wenn wir den Strom unserer Aktivitäten anhalten und zur Ruhe kommen, uns eine Weile hinsetzen und die Aufmerksamkeit auf unseren Atem, unser »Da-Sein« richten. Das trübe Wasser unserer Gedanken und Gefühle, anfangs noch überall, setzt sich nach und nach ab, und es erscheint das ungetrübte Wasser des klaren Gewahrseins.

Natürlich verschwindet der Schlamm nicht ganz, doch wie man in Indien sagt: Eben weil er nicht mehr in kleinen Teilchen unseren Geist durchzieht, sondern sich gesetzt hat, können die Samen des Lotos – Symbol der Weisheit – sich verwurzeln und zur Oberfläche hin wachsen.
Meditation Glas S6-7

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Ein hübsches Bild, oder?